Früher ging es doch auch ohne!

Anzeigedatum: 
3 August, 2018 - 09:08

isa

Isabella Schütz ist die Vorsitzende der Sportkreisjugend Karlsruhe, Trainerin im Verein und sie ist Mama. Sie vereint in einer Person alle Ebenen, die wir im Thema Prävention sexualisierter Gewalt berücksichtigen müssen. In diesem Interview nimmt sie aus diesen Perspektiven Stellung zu unseren Fragen und Aussagen, womit wir Anlaufstellen für Anliegen im Thema Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport häufig konfrontiert werden.

Als Allrounderin und Repräsentantin aller Ebenen im organisierten Sport. Ist die Aussage „Warum sollen wir jetzt was tun? - Früher ging es doch auch ohne!“ in Bezug auf den Kinder- und Jugendschutz für dich nachvollziehbar und berechtigt?

Schütz:"Leider nein. In unser aller Bewusstsein ist doch mittlerweile präsent, dass sich Täter/innen mitunter gezielt pädagogische Institutionen suchen, die einen leichten Kontakt zu Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Ihr Vorgehen ist planvoll und manipulativ: Die Widerstandsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen wird getestet, es finden erste Grenzverletzungen statt und die Opfer werden in Schuld- und Abhängigkeitsgefühle verstrickt. Gerade Trainer genießen grundsätzlich ein hohes Vertrauen im Vereinsumfeld, Übergriffe und Machtmissbrauch finden geplant und schleichend statt. Die Betroffenen werden sich der Gewalt nur langsam bewusst, sind dann aber aufgrund ihres engen Verhältnisses zum (späteren) Täter/innen meist nicht mehr selbst in der Lage, den Kreislauf der Manipulation zu durchbrechen."

Früher ging es also „ohne“, weil die Sensibilität für das Thema und Täterstrategien fehlte. Haben die Vereine aus deiner Sicht heute die Pflicht zu handeln?

Schütz: "Auf jeden Fall! Da gibt es keine Ausreden mehr."

Als Vorstandsvorsitzende. Kann man Vereinen die Einsicht beziehungsweise Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses zumuten?

Schütz: "Ja, es ist jedem zuzumuten. Es handelt sich hier nicht um irgendeine Sache wie die Beantragung eines Spielerausweises, sondern es geht um unsere Kinder- und Jugendlichen, die wir als Repräsentanten der Vereine und Organisationen anvertraut bekommen und die wir alle gemeinsam zu schützen haben. Dass der Einblick zurecht ganz strengen Vorschriften unterliegt, erfordert selbstverständlich klare Regelungen innerhalb der Vereinsstruktur."

Als Trainerin. Fühlst du dich unter „Generalverdacht“ gestellt, wenn dein Verein ein Führungszeugnis von dir verlangen würde?

Schütz: "Natürlich nicht! Ich weiß, dass der Verein für die Umsetzung eines nachhaltigen Präventionskonzepts die Unterstützung von jedem benötigt. Wenn ich mit der Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses dazu beitragen kann, dann mach ich das ohne Frage!  Wenn ich mir heute überlege, welche Daten wir preisgeben und sich Personen bei diesem Thema widerstrebend äußern, kann ich das nicht ansatzweise nachvollziehen."

Als Mama. Was erwartest du von dem Verein, dem du deine Kinder anvertraust?

Schütz: "Ich bin davon überzeugt: Jeder erwartet von Vereinen an diesem Punkt, dass diese ihre Hausaufgaben machen und sich in den eigenen Strukturen über mögliche Gefährdungen für Kinder und Jugendliche bewusst werden. Dass diesen Gefährdungen rechtzeitig begegnet wird und ein eigenes Schutzkonzept unter Einbezug des erweiterten Führungszeugnisses entwickelt wird."

Was wünscht du dir für den weiteren Umgang mit dem Thema Prävention sexualisierter Gewalt im Sport?

Schütz:"Mein Wunsch ist, dass wir zunächst nicht aus den Augen verlieren, dass Millionen Kinder und Jugendliche beim wöchentlichen Sport sehr viel Freude haben und positive Erfahrungen sammeln – und zwar in den allermeisten Fällen ungefährdet. Sie werden von Trainer/innen und Funktionsträger/innen unter hohem persönlichem Engagement betreut und erhalten im Verein wertvolle Unterstützung für eine gesunde und förderliche Entwicklung. Verantwortliche in Verbänden und Vereinen müssen aber auch Sorge tragen, dass nachhaltiger Schutz gewährleistet wird. Dies ist ein wesentlicher Schritt für einen sicheren und wertgeschätzten Sport."

 

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